Wer beim Corona-Impfstoff eigentlich fett abkassiert

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Wer beim Corona-Impfstoff eigentlich fett abkassiert

Pharma-Firmen geben der Welt mit neuen Impfstoffen Hoffnung – Investoren und Manager kassieren ab. Ob die Hersteller selbst profitieren, ist unsicher.

In Großbritannien werden die ersten Personen mit dem Mittel von Biontech geimpft, auf diesen Impfstoff hofft auch Österreich, während die Schweiz bei Moderna einkaufen will. Die Neuigkeiten lassen die Welt hoffen, dass die Pandemie bald vorbei ist. Aber wer verdient eigentlich an den Impfstoffen Geld?

Die ersten Profiteure stehen bereits fest: Wer zum richtigen Zeitpunkt Aktien bestimmter Pharmaunternehmen gekauft hat, konnte sein Geld längst vervielfachen. So ist die Moderna-Aktie heute 160 Dollar wert – vor einem Jahr waren es noch 19 Dollar. Wer also am 2. Jänner 120.000 Euro in die Firma investiert hat, ist jetzt Millionär. Auch bei Biontech sind die Kurse explodiert. Die Aktie ist heute doppelt so viel wert wie noch vor einem halben Jahr.

Investoren, aber auch Pharma-Manager kassieren ab: Als der Konzern Pfizer zusammen mit Biontech ankündigte, dass ihr Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent hat, kam es zum Kurssprung. Kurz darauf verkaufte CEO Albert Bourla Unternehmensanteile im Wert von 5,6 Millionen Dollar. Auch bei Moderna machten Manager nach signifikanten Kurssprüngen ähnliche Geschäfte. Die Gewinne der Moderna- und Pfizer-Führungskräfte waren so hoch, dass in beiden Fällen die US-Börsenaufsicht auf den Plan gerufen wurde – um zu prüfen, ob es illegaler Insiderhandel war.

Aber abgesehen davon, dass sich die Investoren bereichern können, lohnt sich das Entwickeln des Coronavirus-Impfstoffes überhaupt für die Pharma-Konzerne? Schließlich sind Wirkstoffe zur Symptombehandlung im Vergleich zu Impfstoffen oft weniger lukrativ. Das sieht man etwa bei Aids – seit die Krankheit behandelbar geworden ist, wird kaum mehr am Impfstoff geforscht.

Bei Covid-19 sei das aber anders, sagt Ökonom Tilman Slembeck von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften: “Dagegen gibt es keine Behandlung, die sich für die Pharmafirmen mehr lohnen würde.” Darum liefern sich die Hersteller das Rennen um den ersten Covid-19-Impfstoff. Laut Slembeck beherrschen vier große Hersteller 90 Prozent des Impfstoff-Markts: GSK, Merck & Co, Pfizer und Sanofi. Es gebe nur so wenige Wettbewerber, weil sich das Geschäft mit Impfstoffen bei einem kleinen Marktanteil nicht lohne.

Das besondere am Coronavirus-Impfstoff ist allerdings, dass das Interesse größer ist als je zuvor: “Die ganze Weltbevölkerung ist der potenzielle Kunde – so einen großen Markt für einen industriell produzierten Stoff hat es noch gar nie gegeben.” Solange man als Hersteller zu den einzigen gehört, die einen wirksamen Impfstoff haben, wird das Produkt für sie zum “Jackpot”, so Slembeck.

Der Markt für Coronavirus-Impfstoffe dürfte Schätzungen zufolge zwischen 10 und 25 Milliarden Dollar pro Jahr groß sein – abhängig vom Preis pro Dosis und wie oft man sich impfen lassen muss. Allerdings sind die Margen bei Impfstoffen typischerweise tief und es besteht gerade während der Pandemie viel Druck auf die Hersteller, dass sie die Preise niedrig halten. Es ist also unklar, wie profitabel der Markt wirklich ist.

Der Hersteller GSK, der zusammen mit Sanofi an einem Impfstoff arbeitet, will allfällige Profite während der Pandemie in Coronavirus-Forschung investieren. Pfizer gibt hingegen explizit an, mit seinem Impfstoff einen Gewinn erzielen zu wollen – die genaue Marge nennt der Hersteller aber nicht.

Ob die Rechnung auch wirklich aufgeht, ist abhängig davon, wie viele Impfstoffe es früh auf den Markt schaffen. Denn die Konkurrenz drückt die Preise und die Beschleunigung der Forschungsprozesse kostet viel zusätzliches Geld. “Wenn es innerhalb kurzer Zeit noch 15 andere Wirkstoffe gegen Covid-19 gibt, hat man nicht viel davon, dass man der erste war”, so Slembeck.

Die Pharmafirmen hoffen aber nicht nur auf Gewinne mit dem Verkauf des Impfstoffs. Auch die Patentierung des Wirkstoffs und damit verbundener Technologien kann sich lohnen. Einige der Hersteller setzen etwa auf die mRNA-Technologie, die bisher noch nie für Impfstoffe eingesetzt wurde. Die Firmen hoffen, dass solche Technologien später auch in anderen Zusammenhängen eine tragende Rolle spielen werden. Dann können die Hersteller auch bei zukünftigen Produkten erneut profitieren.

Aber ob die Pharmafirmen nun wirklich den Jackpot knacken können oder ob sie zu viel investiert haben, kann man jetzt noch nicht sagen. “Das wissen wir erst in zwei bis drei Jahren”, so Slembeck.

Normalerweise kostet es im Schnitt zwischen 329 und 469 Millionen Dollar, um einen Impfstoff auf den Markt zu bringen. Zur Beschleunigung des Prozesses, der normalerweise um die 10 Jahre dauert, wird allerdings noch viel mehr Geld ausgegeben. Wie viel genau die Forschung für den Coronavirus-Impfstoff insgesamt kosten wird, ist unklar. Die USA hat aber bereits jetzt über 5 Milliarden Dollar für den Impfstoff hingeblättert – wobei eine Teil dieser Kosten als Bezahlung für die Herstellung und Lieferung der Impfstoff-Dosen vorgesehen ist. Die gesamten 5 Milliarden Dollar fließen also nicht direkt in die Entwicklung selbst.

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